Fällt der Name Marienehe, setzt der Rostocker meist mit dem "Fiko", dem ehemaligen Fischkombinat der DDR-Zeit, gleich. Wer diesen Stadtteil Rostocks heute durchquert, vermag sich kaum noch vorstellen, daß der Ort seine Entstehung einem einstmals hier angesiedelten Kloster "Himmelszinnen der Karthäusermönche" verdankt.
Am 1. Mai des Jahres 1304 stellte der Dänenkönig Erik Menved aus dem Hofe Mernowe/Mergenewe eine Urkunde aus, in der dieser Platz erstmals Erwähnung findet. 2004 hat Marienehe also seine 700jährige Existenz gefeiert.
Wiederum einem Stück dänisch-deutscher Geschichte, deren Ereignisse man alljährlich während der Störtebeckerfestspiele auf der Insel Rügen nachgespielt erleben kann, entspringt die Klostergründung gut neunzig Jahre später.
Wynhold Baggele Ratsherr und Bürgermeister von Rostock hatte angesichts der dänischen Gefangenschaft König Albrechts von Schweden und Herzog von Mecklenburg eine große geschäftliche und kriegerische Tätigkeit entfaltet. Zur Befreiung des Königs trug er 500 Mark Silber an Lösegeldsumme bei. Es wird Baggels Dankbarkeit anläßlich der Übergabe König Albrechts am 26. September 1395 in Helsingborg am Öresund zugeschrieben, daß dieser nur vier Monate später gemeinsam mit seinem Schwiegervater das Kloster stiftete.
Es sollte das einzige Kloster der Karthäusermönche in Mecklenburg bleiben. Als schließlich eineinhalb Jahrhunderte später die Reformationsbewegung Luthers die Säkularisation des Klosters in Marienehe zur Folge hatte, übernahmen die Rostocker und der mecklenburgische Herzog im Jahre 1552 das Zepter im Ort.
Eigens um dies zu erzwingen, hatte der Herzog 300 Bewaffnete ins Kloster entsandt. Die Steine der bald darauf abgerissenen Klostergebäude jedoch können wir bis heute betrachten. Der Baumeister Franz Parr ließ aus den Abrißsteinen des Klosters das Güstrower Schloß erbauen.
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Gutshof zu Marienehe, früher Karthäuser Kloster (Sammlung Steinmüller) | Das zweite Versuchsmuster der He 178 V-1 (Sammlung Koos) |
Fortan war Marienehe häufig Anlass für Streit. 1589 ließ der herzogliche Hauptmann von Lützow hier einen Schlagbaum errichten und kontrollierte den hansestädtischen Verkehr nach Warnemünde mit der Begründung, auf die Art der Wilderei in der herzoglichen Feldmark Einhalt zu gebieten. Bis zum Landtag in Güstrow führte die Hansestadt nun Beschwerde. Im folgenden Jahr kommt es im Krug in Marienehe zu blutigem Streit zwischen Rostockern und den hier einquartierten herzoglichen Wildschützen.
Erst die Androhung, die hohe Schuldenlast des Herzogs seitens der Hansestadt umgehend einzutreiben, zwang diesen zum Einlenken.
1602 liefen die Hanseaten Sturm gegen eine hier errichtete herzogliche Münzstätte. Stand diese doch in dem Ruf, ständig die edelmetallene Beute des Rostocker Diebsgesindels hehlerisch aufzukaufen, um daraus herzogliche Münzen zu fertigen.
Die landschaftliche Idylle endete, als am 8. März 1934 Marienehe als Ortsteil zu Rostock eingemeindet wurde und gleich drauf die "Ernst Heinkel Flugzeugwerke GmbH" hier ihr neues Werksgelände errichteten. Eine Industrielandschaft entstand. Fünf Jahr Später begann auf dem hier entstandenen Werksflugplatz mit dem Flug der He 178 das Düsenflugzeitalter.
Bald darauf arbeiteten hier Häftlinge vieler Nationalitäten, gezwungen, Flugzeuge für Hitlers Krieg zu bauen.
1950 begann eine neue Ära mit dem Aufbau des Fischkombinates. Logger, Trawler, Fang- und Verarbeitungsschiffe bestimmten nun das Bild über Jahrzehnte.
(Autor: W. Steinmüller)
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